Christoph Frick

Tagebücher der Helene Vinçon

… Könnte ein Vogel genau sagen, was er pfeift,
warum er das pfeift und was in ihm pfeift,
so würde er nicht pfeifen.

Paul Valéry, cahiers 104/3
Tagebücher der Helene Vinçon
1941 + 1951 – 53
Tagebücher der Helene Vinçon
1942 – 46
Tagebücher der Helene Vinçon
1946 – 48
Tagebücher der Helene Vinçon
1948 – 51
Tagebücher der Helene Vinçon
1953 – 54
Tagebücher der Helene Vinçon
1955 – 63
Tagebücher der Helene Vinçon
1964 – 81
Tagebücher der Helene Vinçon
1981 – 88
Tagebücher der Helene Vinçon
1988 – 94
Tagebücher der Helene Vinçon
1994 – 97
Vom 1. Januar 1941 bis 4. Oktober 1997 schrieb Helene Vinçon, also 56 Jahre lang, ohne Unterbrechung je eine Zeile pro Tag. 20289 »Tagewerke« sind somit dokumentiert.

Die Tagebücher der Großtante Helene wurden im Zusammenhang der Ausstellung ›seltsam vertraut‹ von Christoph Frick im sogenannten Blumhardtschen Literatursalon in der Villa Vopelius, Ev. Akademie Bad Boll, gezeigt. Dort »hineingeschmuggelt« zwischen die literarischen Zeugnisse von Eduard Mörike, Hermann Hesse, Gottfried Benn, … erzeugen diese notierten, einfachen »Tagewerke« der Helene eine eigenartige Spannung. Zwischen dem literarischem zur Sprache kommen der Schriftstellerinnen und Schriftsteller und dem akribischem Auflisten des Geleisteten der Bauersfrau besteht eine Kluft, die sich durch die Präsentation und Würdigung relativiert.
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Tagebücher der Helene Vinçon
Der zufällig ausgewählte Stichtag, 16. Juni,
gibt Einblick in Kontinuität und Wandlung von 56 Jahren.
1941 Montag Mist gef. Negelsee. Angerschen gehackt. Mit dem Pflug.
1942 Dienstag Holz gem. Pfarrw. geschöchelt. Disteln gestupft im Espach u. Schulacker. Gretel gekommen. Begonien schön geblüht.
1943 Mittwoch Blaue Schürze gem. Futter geholt. Vallon Viertel geworbt.
1944 Freitag Am Rain Heinzen gem. Mutter gebacken. Sardas geheinzt. Kraut gehackt. gebügelt.
1945 Samstag Tiefental gem. Kalbw. Bühler u. hinter d. Gärten geh. Karl, Hans, Valentin u. Walter da. Futter geh.
1946 Sonntag In der Kirche. In Rutesheim b. Amosspiel. Im Espach spazieren.
1947 Montag Ich den ganzen Tag im Bett. gelesen. Mutter im Krautgarten. Erwin in R. Stein geschl. G. Klee gemäht.
1948 Mittwoch Mist ans Kraut (Postweg) Futter geh. Mais geh. mit dem Pflügle. Gretel da v. Rutesheim.
1949 Donnerstag Tiefental gemäht. Hinter d. Gärten u. Kalbw. geholt. Bühler u. Tiefental geschöchelt.
1950 Freitag Den ganzen Tag Kraut geh. Gretel und Brigitte dabei. Ein Gewitter unter die Brücke.
1951 Samstag Vallon, Rain u. Bühler geworbt. Ein Gewitter. Sehr verregnet.
1952 Montag Im Grandedorn u. Förstle Rüben verrupft u. gesetzt. Gretel oben dabei. Abds. B. Fr. Pfarrer
1953 Dienstag Eine Wäsche. Tagsüber nicht geregnet. Abds. Kirschen von Eberdingen bekommen.
1954 Mittwoch Klee geworbt im Espach u. Förstle. Im Postweg Kraut geh.
1955 Donnerstag Im Grandedorn u. Vallon durchgef. Klee im Förstle geworbt u. Schulacker durchgef. In der Singstd.
1956 Samstag Im Tiefental mit Olga Kart. Kraut u. Rüben durchgefahren. Im Förstle und Espach Klee gem.
1957 Sonntag In der Frühkirche. Um 12 Uhr nach Rutesh. z. Beerdig. von Frau Pf. Wahl. Mit H. Pf. b. Ida
1958 Montag Rutesh. Wiese gemäht. Vallon, Dötes u. Kalbwiese heim. Herr Nießner von 1 Uhr bis 8 da. Schön Wetter
1959 Dienstag Tiefental Wiese gemäht. 170 Pfd. Honig geschleudert. Sehr schön Wetter
1960 Donnerstag Frohnleichnam. Vallon geworbt. 175 Pfd Honig geschleudert. Ida u. Ruth da. Kalbw. heim
1961 Freitag Im Postweg Rüben durchgef. Kalbw. u. Burgenwald gewendet. Im Förstle Kart. gehäufelt. Bühler geworbt.
1962 Samstag Gewittert und geregnet. Philipps Fritz Hochzeit. Stohr draußen gewaschen.
1963 Sonntag In der Frühkirche. Mittags auf d. Friedhof. Bei Käthe im Haus draußen mit Elsa. Mit Babetts Maria u. Christa nachts im Haus
1964 Dienstag Im Krautgarten gehackt u. gekrautet. Im Grand O. u. hinter d. Gärten Kart. gehäufelt. Rüben durchgef. Rosenkohl gesetzt.
1965 Mittwoch Konrats Gaul im Förstle u. Wengertle Kart. geh. (Nachts sehr gestürmt) Im Förstle mittags gehackt. Gewitter, geregnet.
1966 Donnerstag Zwei W. Mist ans Kraut u. die Rüben vollens verrupft. Ein Gewitter. Krautgarten gehackt u. Brästlinge gepflückt.
1967 Freitag Gebacken und geputzt. Im Garten gekrautet. Im Sardas Wiese gemäht. Paul u. Ida da. Vergissmeinnicht rausgetan.
1968 Sonntag Frühkirche. Kuh gebracht. Ich morgens auf, mittags ins Bett. Trudel, Frieda u. Anna Enz da.
1969 Montag Am Rain u. Tiefental verschüttelt. Wengertle geschöchelt. Ein Gewitter, geregnet. Ein W. Mist ans Kraut u. gehackt
1970 Dienstag Eine große Wäsche. Ida da, Mutter Haare u. Füße gewaschen. Ich ganz kaputt. Gewittert und geregnet.
1971 Mittwoch Auf dem Rathaus b. Notar wegen der Straße draußen. Mittags Rüben gehackt.
1972 Freitag Gebacken u. geputzt. Draußen Bühne gründlich geputzt. Geregnet.
1973 Samstag Geputzt. G. u. E. Bühler und Kalbwiese gemäht. Höllberg Heinzen gem. Sardas 1 Wagen geholt.
1974 Sonntag Jugendsonntag (In der Kirche) Im Förstle schön Wetter, abends b. Elsa
1975 Montag Eine Wäsche. Geregnet. Erwin ins Geschäft. Sehr müde. Ich bald ins Bett.
1976 Mittwoch Geputzt. 50 Honig geschl. G. u. ich Kraut geh. Gebadet.
1977 Donnerstag Die Fächer u. im Ehrn Kästle geputzt. G. 2 Zähne gezogen. Kraut geh. u. Mist ans Kraut.
1978 Freitag Gebacken G. Mist gef. an d. Rüben. Ich den ganzen Tag geputzt und gewachst. Auch Fenster.
1979 Samstag Alles geputzt u. gewachst. Die ersten Erdbeeren gepflückt. G. u. E. Rüben geh. bei Regen.
1980 Montag Mein Bett abgezogen u. gew. u. gebügelt. G. Rüben verrupft im Tiefental
1981 Dienstag Eine Wäsche. Volksröntgung. In der Singstd.
1982 Mittwoch Spazieren. In d. Edelsteinschleiferei. Kettele mit Ametiststein gek. ( 14 M ) ( Ich Durchfall )
1983 Donnerstag G. Körbe gem. Ich mittags im Bett. Elsa da. Gotthilf Lutz da.
1984 Samstag Geputzt. Um 1 Uhr mit Martin ( alle 3 ) Gretel, Paul u. Ida auf d. Zavelstein
1985 Sonntag In der Frühkirche. Behinderte v. Schernbach da. Mittags im Förstle. 2 b. Essen im Pfarrhaus.
1986 Montag Sehr schönes Wetter. G. um 1 ½ Uhr zum Dr. Ich Socken v. Gretel gestrickt.
1987 Dienstag Ein Regentag. Schrank und hinter d. Türe ausgewaschen. Gestrickt.
1988 Donnerstag Oben geputzt. Alle Betten gesonnt. Erwin draußen Zaun gestrichen. Ich gestrickt
1989 Freitag Oben Bodenläufer geflickt. Mittags nach Rutesh. Brillen geholt. Im Garten bei Ida.
1990 Samstag Mein u. Erwins Bett abgezogen. Meines gleich gewaschen. Gestrickt u. gelesen.
1991 Sonntag In der Frühkirche (Wegner) Erwin und ich auf dem Friedhof. Leicht geregnet. In der Stunde.
1992 Dienstag Erwin und ich nach Rutesh. Erwin eingekauft und zu Kohlmeiers in den Garten. Fr. Kohlmeier heimgeführt. Vorhänge und alles vollends gebügelt. Schürze gewaschen
1993 Mittwoch Gebügelt u. Marthas Bett gerichtet. Auf der Bank gesessen. Ich sehr im Arm u. Füßen
1994 Donnerstag Um 9 Uhr aufgestanden. Erwin z. Beerdigung nach Hausen z. Margots Mutter. Sehr geschwitzt.
1995 Freitag Geputzt. Um 2 Uhr Martin uns abgeholt. Ich ein Pulloverle lila u. 1 blaues Blüsle gek. Erwin 4 Hemden gek. Christoph heimgebracht.
1996 Sonntag Erwin in der Kirche. Ich den ganzen Tag auf. Martin u. Gretel da. Wäsche geholt. Fußball.
1997 Montag Einwenig gewaschen. Erwin an der Miste gestrichen. Trübseeliges Wetter. Immer am regnen.
Tagebücher der Helene Vinçon